Ulrike Flach - Ihre Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Mülheim/Essen - Reden MdB

Rede zum Rahmenprogramm Gesundheitsforschung (07.04.2011)

Das heute vorliegende Gesundheitsforschungsprogramm baut natürlich auf den Programmen der Vergangenheit auf, aber es arbeitet mit einem Volumen, das wir in Deutschland noch nicht erlebt haben: 5,5 Mrd.€, das ist eine beeindruckende Summe, - die wieder einmal deutlich macht, mit welcher Kraft diese Koalition auf Innovation, Forschung und Entwicklung setzt. Aber es ist mehr als ein Forschungsprogramm.

Die Ansätze dieses Programmes gehen über die Vergangenheit nicht nur fiskalisch hinaus, sie beschreiten neben den Gesundheitszentren vor allem mit den Bereichen Versorgungsforschung und individualisierte Medizin auch neue deutlich patientenorientierte Wege. Wir wollen blühende Forschungslandschaften ja weil wir wissen, dass dies die Zukunft unseres High-Techlandes ist, aber wir wollen Innovationen ganz bewusst aus Sicht der Patienten.

Zu recht weist z.B. der Leiter des Instituts f. Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Prof. Windeler darauf hin, dass in Deutschland bislang Grundlagenforschung, klinische Forschung und Versorgungsforschung in einem Missverhältnis standen. ".. diejenigen, die Innovationen entwickeln, kümmern sich zu wenig darum, wie sie in der Versorgung untergebracht werden können", so Windeler. Innovationen an sich seien kein medizinischer Wert, betonte er.

Als wir Ende des letzten Jahres das neue Arzneimittelgesetz auf den Weg brachten, sind wir genau diesen Gedanken gefolgt. Entscheidend ist der medizinischen Nutzen von Arzneimitteln und damit "Die zentrale Frage: Was hat der Patient davon?" Und deswegen sind vergleichende Studien so wichtig. Nicht alles, was als Innovation identifiziert wurde, hat auch Platz in der Versorgung. Wir brauchen empirisch gesicherte Daten darüber, welche Innovationen in der Diagnose, der Therapie, der Medizintechnik die Versorgung der Menschen verbessern. Wir haben begrenzte Ressourcen und wir wollen Erkenntnisse darüber gewinnen, wo eine hohe Breitenwirkung erzielt wird.

Ein typisches Beispiel sind z.B. die sog. Disease Management oder die integrierten Versorgungs-Programme, wo wir nicht wissen, ob die einstmals damit verbundenen Hoffnungen sich wirklich erfüllt haben. Hier wird sehr viel Geld ausgegeben, aber nach wie vor ist die Frage nicht geklärt, ob die Patienten von den in den Programmen festgelegten Qualitätszielen profitieren. Der gute Wille allein reicht eben nicht , - nur eine konsequente Forschung wird zeigen ob auch für den Patienten etwas dabei herauskommt!

Und das betrifft auch den 2. Programmteil, auf den ich besonders Bezug nehmen möchte: die individualisierten Medizin, ein Gebiet, welches vor allem dadurch gekennzeichnet ist, dass es zwischen großen Visionen und noch größeren Bedenken hin und her schwankt. Individualisierung als neues Leitbild der Medizin, eine Frage, die uns in den nächsten Jahren immer wieder umtreiben wird.

Effektivitätssteigerungen zu erwarten oder wird die biologisch orientierte Medizin unbezahlbar bleiben?
Wie hoch ist der tatsächliche Nutzen für die oft schwerkranken Patienten?

Schon heute können wir höchst unterschiedliche Kostenentwicklungen bei verschiedenen Krankheiten erkennen wie etwa bei Arzneikosten für zielgerichtete Therapien für Brust-, Darm- oder Lungenkrebs. Einerseits horrende Kosten für individuelle Profile, andererseits Preise für Gentests und ganze Genomanalysen im freien Fall. Zwischen vierhundert- und siebenhundert Wirkstoffen, die man zur maßgeschneiderten Therapie rechnen darf, sind inzwischen in unterschiedlichen Phasen der Entwicklung. Was aber fehlt sind z.B. standardisierte Gewebeproben und Biobanken. Studienergebnisse sind damit oft nicht reproduzierbar.

Der GBA hat zu Recht darauf verwiesen, dass vor einer Erstattungsfähigkeit durch die Kassen die individualisierten Methoden zuerst „von der Diagnose bis zur Behandlung eindeutig ihren Nutzen zeigen muss“. Für die klinischen Studien heißt das: Neue, veränderte Designs müssen erprobt werden, in denen auch mit kleinen Patientengruppen aussagekräftige Resultate erzielt werden. Dazu fördert das Programm strategische Partnerschaften für die Übertragung von Methoden der individualisierten Medizin in die reguläre Patientenversorgung. Dazu brauchen wir aber auch neue Förderansätze, die darauf reagieren, dass viele Innovationen nicht mehr aus der klassischen Pharmaforschung, sondern aus der Biotechnologie kommen.

Das Gesundheitsforschungsprogramm der Koalition wird dies alles leisten – Innovation, Prävention, Vorsorge und der Kampf den Volkskrankheiten. 5,5 Mrd. zw. 2011 und 2014, die ich als HH und Gesundheitspolitiker gerne mit Ihnen heute auf den Weg bringe.

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