Rede zum 5. Deutsch-Österreichischen AIDS-Kongresses am 15. Juni 2011
Grußwort von Ulrike Flach
Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit
Mitglied des Deutschen Bundestages
"WISSENschafft DIR PERSPEKTIVEN"
anlässlich
des 5. Deutsch-Österreichischen AIDS-Kongresses
am 15. Juni 2011
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich freue mich, Sie anlässlich des 5. Deutsch-Österreichischen AIDS-Kongresses in Hannover begrüßen zu dürfen.
30 Jahre sind seit der Entdeckung des HI-Virus vergangen. Auch heute ist HIV/AIDS noch nicht heilbar. Internationale Forschungsanstrengungen und ein steter wissenschaftlicher Austausch haben jedoch dazu geführt, dass sich das klinische Management von HIV-infizierten Menschen seit der Entwicklung der HAART (Highly Active Antiretroviral Treatment) entscheidend verbessert hat. Dadurch ist es auch möglich geworden, sehr viel länger mit HIV zu leben.
Heute ist eine HIV-Infektion kein Todesurteil mehr. HIV ist behandelbar geworden. Die Möglichkeit eines gesundheitlich stabileren Lebens mit HIV ist heute eine Perspektive, die HIV-Infizierten und ihren Angehörigen viel Mut macht und Hoffnung bringt.
Ein langjähriges Leben mit HIV bringt aber auch neue klinische Herausforderungen mit sich, deren Erforschung auch Thema dieses Kongresses sein werden:
o Welche Rolle spielen HIV-Infektion und die Langzeit-therapie bei den beschleunigten Alterungsprozessen von Menschen mit HIV an Herz, Kreislauf und Gehirn?
o Wie können chronische und Alterskrankheiten bei Patienten mit HIV wirksam behandelt werden?
o Welche Interaktionen gibt es bei akuten oder chronischen Ko-Infektionen wie zum Beispiel Tuberkulose, Hepatitis oder sexuell übertragbaren Infektionen?
Auch einige neue, interessante Ansätze in der Impfstoff-forschung und der Entwicklung von Heilungsstrategien gibt es, die auf diesem Kongress beleuchtet werden.
Meine Damen und Herren,
über die klinischen Erfolge dürfen wir nicht vergessen, dass ein Sieg über HIV noch weit entfernt ist. Die Bekämpfung von HIV und AIDS erfordert auch heute noch eine differenzierte und gut aufeinander abgestimmte Gesamtstrategie.
In Deutschland haben wir schon frühzeitig eine HIV/AIDS-Bekämpfungsstrategie entwickelt, die auch international anerkannt ist.
Unser Aktionsplan zu HIV/AIDS besteht aus den sieben Säulen:
o Aufklärung und Prävention
o Universeller Zugang zu Testung und Therapie
o Solidarität und Antidiskriminierung
o Koordination und Kooperation
o Epidemiologische Überwachung
o Forschung
o Evaluierung und Qualitätssicherung.
Nach mehr als zwei Jahrzehnten Erfahrungen mit der HIV/AIDS-Bekämpfung in Europa wissen wir: Aufklärung und ein offener, nichtdiskriminierender Umgang mit dieser Krankheit sind die zentrale Voraussetzung, um alle Bevölkerungsgruppen zu erreichen.
Die Bundesregierung stellt im Jahr 2011 deshalb für die HIV/AIDS-Prävention in Deutschland 13 Mio. Euro zur Verfügung.
Die heutigen, im westeuropäischen Vergleich niedrigen Infektionsraten in Deutschland dokumentieren den Erfolg unserer Anstrengungen. Dazu beigetragen haben:
o Sowohl Allgemeinbevölkerung als auch Risikogruppen verfügen über ein konstant hohes Wissen über Infektionsrisiken und Schutzmöglichkeiten von HIV/AIDS und anderen sexuell übertragbaren Infektionen.
o Der verantwortliche Umgang mit der eigenen Gesundheit und der von Sexualpartnerinnen und Sexualpartnern ist hoch. So verwenden inzwischen 87 Prozent der Personen mit mehreren Sexualpartnern regelmäßig ein Kondom. Weit über 200 Mio. Kondome werden alljährlich in Deutschland verkauft.
o Regelmäßige Kampagnen und Botschaften haben zu einer Stärkung des gesellschaftlichen Klimas beigetragen, das einer Stigmatisierung und Ausgrenzung von Menschen mit HIV und AIDS entgegenwirkt.
o Dank eines leistungsfähigen Versorgungssystems in Deutschland steht allen HIV-infizierten Menschen die notwendige Behandlung offen.
Meine Damen und Herren,
Auch in Deutschland gibt es immer wieder epidemiologische Trends und neue Entwicklungen, auf die wir mit unserer HIV/AIDS-Bekämpfungsstrategie reagieren.
o So verstärken wir unser Augenmerk auf die besonders von HIV betroffenen Gruppen. Mit der "Ich weiß was ich tu"-Kampagne der Deutschen AIDS-Hilfe unterstützen wir die Aufklärung und Information von Männern, die Sex mit Männern haben. Die Kampagne wird seit 2009 mit großem Erfolg durchgeführt.
o Die „Welt-AIDS-Tag-Kampagne“ wirbt für die Solidarität mit und gegen die Diskriminierung von Menschen, die mit HIV und AIDS leben. Über 12.000 Menschen engagieren sich mit uns als Botschafterinnen und Botschafter für dieses Ziel. Seit 2010 wirken auch HIV-positive Menschen aktiv an der Kampagne mit. Sie geben ihr dadurch ein Gesicht und zugleich einen Einblick in das Leben mit HIV und AIDS.
o Wir erweitern die Präventionsarbeit zu HIV und kombinieren sie mit der Prävention von anderen sexuell übertragbaren Infektionen.
o Gemeinsam mit den zuständigen Ländern, der Zivilgesellschaft und den ärztlichen Fachgesellschaften arbeiten wir daran, die vorhandenen Testangebote auszubauen. Gleichzeitig gilt es, Personen mit Risikoverhalten noch besser zu erreichen.
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Mit großem Interesse beobachten wir auch die Erforschung neuer Präventionsansätze. So wird in der Fachwelt lebhaft diskutiert, inwieweit antiretrovirale Medikamente die Prävention durch Information und Aufklärung ergänzen können. Wir verfolgen aufmerksam, inwieweit sich in diesem Bereich die Faktenlage sichert.
Die Bekämpfung von HIV und AIDS erfordert auch zukünftig ein gemeinsames Wirken und Lernen von Wissenschaft und gesellschaftlichen Kräften.
Es ist der gleiche Geist, der auch diesem Kongress zugrunde liegt. Ich freue mich, in diesem Sinne hier so viele Experten aus dem deutschsprachigen Raum versammelt zu sehen. Nur gemeinsam können wir die HIV/AIDS-Epidemie in die Schranken weisen.
Hierzu leistet dieser Kongress einen wichtigen Beitrag.
Ich wünschen Ihnen viele interessante Diskussionen und einen anregenden wissenschaftlichen Austausch.
Vielen Dank.
