Ulrike Flach - Ihre Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Mülheim/Essen - Reden PSts

Grußwort von Ulrike Flach anlässlich des parlamentarischen Frühstücks - Vereinigung zum Weltdiabetestag (01.12.2011)


Meine sehr verehrten Damen und Herren,

viele von Ihnen leisten großartige Arbeit, wenn es darum geht die Menschen über Diabetes, die damit verbundenen Probleme aber auch die Möglichkeiten, einen Diabetes zu vermeiden, zu informieren.

Deshalb bin ich gerne heute zu Ihrem parlamentarischen Frühs-tück anlässlich des Weltdiabetestages gekommen, denn es gibt mir die Gelegenheit, Ihnen auch im Namen von Gesundheitsminister Daniel Bahr, für dieses Engagement zu danken.

Wie notwendig Ihr Einsatz in Sachen "Diabetes" ist, spiegelt sich alleine schon in einer Zahl wider: 6 Millionen!

Knapp 6 Millionen Menschen leben bei uns in Deutschland mit Diabetes mellitus. Für jeden einzelnen dieser Menschen stellt die Diagnose "Diabetes" eine lebenslange Herausforderung dar.

Denn mit der Feststellung der Krankheit müssen die Betroffenen mit schweren Folgeerkrankungen, wie Herzinfarkt, dialysepflichti-ges Nierenversagen, Amputationen oder Blindheit rechnen, auch wenn im Zuge verbesserter Behandlungs- und Präventionsmög-lichkeiten die Komplikationen zunehmend in den Hintergrund treten.

Doch nicht nur für jeden einzelnen betroffenen Menschen stellt diese Erkrankung eine erhebliche Belastung dar. Auch unter gesundheitspolitischen und volkswirtschaftlichen Aspekten ist Diabetes zu einer gesamtgesellschaftliche Herausforderung geworden, die in den nächsten Jahren nicht nachlassen wird.

So müssen wir, auch vor dem Hintergrund der demographischen Veränderungen, realistischer Weise damit rechnen, dass wir in den nächsten Jahren eine weitere Zunahme der Erkrankungsfälle – vor allem an Typ 2-Diabetes – haben werden. Hat sich doch bereits in den letzten Jahrzehnten dieser sehr viel häufigere Typ 2-Diabetes zu einer Volkskrankheit entwickelt.

Damit stellt sich die berechtigte Frage: Was können wir tun, um dieser Entwicklung wirksam entgegenzutreten?

Ein besonders wirksamer Weg zur Bekämpfung des Typ 2-Dia-betes liegt in der Vorbeugung. Wir wissen heute, dass neben ei-ner gewissen erblichen Veranlagung die hauptsächlichen Risikofaktoren für einen Diabetes mellitus Typ 2 in einem ungesunden Lebensstil mit Übergewicht, Fehlernährung und Bewegungsman-gel liegen.
Ihre Vermeidung kann nicht nur die Zahl der Neuerkrankungen senken, sondern auch den Krankheitsverlauf verbessern. Diabetes-Patientinnen und -Patienten, die auf einen gesunden Lebens-stil achten, verringern damit die Gefahr von diabetischen Folgeerkrankungen.

So viel zur Theorie. Denn auch wenn uns allen bewusst ist, dass wir durch eine gesündere Lebensweise viele Krankheiten verhin-dern oder zumindest hinauszögern können, so tun wir uns doch schwer in der Umsetzung dieses Wissens. Jeder von uns, der versucht hat, sich z.B. das Rauchen abzugewöhnen, weiß um die eigene Willenskraft, die hierfür erforderlich ist.

Die Aufgabe der Gesundheitspolitik ist es deshalb, die Menschen immer wieder zu motivieren, den Schritt hin zu einer gesünderen Lebensweise zu gehen und ihnen im Rahmen von Gesundheits-informationen Hilfestellungen anzubieten.

Geschehen soll dies mit Hilfe einer Präventionsstrategie. Unser Ziel ist es, die Menschen für die lebensstilbedingten Volkskrank-heiten und ihre schwerwiegenden Folgen verstärkt zu sensibilisieren. Durch verschiedenste Maßnahmen sollen die Bürgerinnen und Bürger motiviert werden, sich mehr zu bewegen, gesund zu ernähren, verantwortungsbewusst mit Alkohol umzugehen und auf das Rauchen zu verzichten.

Dabei gilt es insbesondere Wege zu finden, gerade diejenigen Menschen anzusprechen, die bisher mit unseren Motivationsbemühungen nicht erreicht werden konnten. Hierin sehe ich eine besondere Aufgabe.

Gelingen wird dies nur durch eine verstärkte Zusammenarbeit mit allen maßgeblichen Akteuren, insbesondere unseren Ärztinnen und Ärzten. Denn sie sind es, die die größte Chance haben, auch diese Menschen zu erreichen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
gerade für chronisch kranke Menschen ist die Verlässlichkeit unseres Gesundheitssystems von großer Bedeutung.

Wir haben deshalb gleich zu Beginn der Legislaturperiode die Weichen dafür gestellt, dass unser Gesundheitssystem – auch vor dem Hintergrund der aus der demographischen Entwicklung und dem medizinischen Fortschritt entstehenden Herausforderungen – finanzierbar und leistungsfähig bleibt.

Die Finanzierbarkeit haben wir mit dem GKV-Finanzierungsgesetz und dem AMNOG sichergestellt.

Gerade für Menschen, die an Diabetes erkrankt sind, hat unser "Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes" eine ganz besondere Bedeutung.

Neben den Regelungen zur Preisbildung für neu zugelassene Arzneimittel und der damit verbundenen Erstattungsfähigkeit durch die Krankenversicherungen, ist die in dem Gesetz veran-kerte frühe Nutzenbewertung auch für Diabetikerinnen und Diabetiker von hoher Bedeutung.

Der Zusatznutzen aller neuen Arzneimittel wird unabhängig geprüft. Das trägt zur Transparenz des gesamten Arzneimittelmarktes bei. Ziel des AMNOGs ist es, faire Preise und einen schnellen Zugang zu echten Innovationen für die Menschen in unserem Land zu ermöglichen.

Um maßgebliche Verbesserungen für die Menschen geht es uns auch in unserem GKV-Versorgungsstrukturgesetz, das zurzeit auf der Agenda steht.

Mit dieser Gesetzesinitiative verfolgen wir das Ziel einer noch umfassenderen medizinischen Versorgung. Dazu gehört auch eine bessere Verzahnung der Leistungssektoren und ein ausgeprägterer Wettbewerb zwischen den Krankenkassen.

Gerade Menschen mit chronischen Erkrankungen werden von diesem Gesetz profitieren, weil die medizinische Versorgung wohnortnah flächendeckend gesichert und verbessert wird. Zudem führen wir im Rahmen des Versorgungsstrukturgesetzes einen weiteren Versorgungsbereich neu ein: Die spezialfachärztliche ambulante Versorgung.
Wir brauchen besonders für die Diagnostik und Behandlung komplexer sowie seltener Krankheiten mit besonderen Krankheitsverläufen einen Versorgungsbereich, der die ambulante mit der stationären Versorgung verbindet.

Wer an einer komplexen Krankheitsform leidet, soll künftig nicht mehr zwischen ambulant und stationär hin und her springen müssen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
in der zielgerichteten Weiterentwicklung von Prävention und Be-handlung des Diabetes mellitus einschließlich seiner Folgeerkrankungen, müssen wir aber auch auf Innovationen setzen.

Dafür brauchen wir Forschung und einen Rahmen, der Innovationen ermöglicht, die zu einer Verbesserung der Lebensqualität der betroffenen Menschen beitragen.

Das BMG fördert deshalb gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen das Deutsche Diabetes-Zentrum in Düsseldorf. Diese Einrichtung trägt zu einer schnellen Umsetzung von Ergebnissen aus der Grundlagenforschung in die klinische Praxis bei.

Darüber hinaus unterstützt das breit angelegte Rahmenprogramm "Gesundheitsforschung der Bundesregierung" die Einrichtung von Zentren der Gesundheitsforschung von bedeutsamen Volkskrankheiten. Mit dieser neu geschaffenen Struktur wollen wir unter anderem die Prävention, Früherkennung, Diagnostik und Therapie des Diabetes mellitus und seiner Folgeschäden verbessern. Darüber hinaus möchten wir aber auch die epidemiologische Datenlage vorantreiben. Hierzu wurde ein Deutsches Zentrum für Diabetesforschung gegründet, in dem das schon erwähnte Deutsche Diabetes-Zentrum in Düsseldorf als ein wichtiger Partner beteiligt ist.

Last but not least möchte ich aber auch noch einen Blick über unsere Landesgrenzen hinaus werfen. Er zeigt, dass der von uns eingeschlagene Weg zur Eindämmung nicht-übertragbarer Krankheiten international geteilt wird.

Denn auf dem, man kann fast sagen, historischen Gipfeltreffen der Generalversammlung der Vereinten Nationen im September diesen Jahres zu nicht-übertragbaren Krankheiten war sich die internationale Gemeinschaft einig, dass die Bekämpfung von Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und chronischen Atemwegserkrankungen in erster Linie mit Gesundheitsförderung, Prävention und robusten Gesundheitssystemen gelingen kann.

Wir sind also auf dem richtigen Weg. Doch dieser Weg entlässt niemanden von uns aus der Verantwortung, durch individuelle Verhaltensänderung zur Vermeidung dieser Krankheiten beizutragen.


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