Ulrike Flach - Ihre Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Mülheim/Essen - Reden PSts

Grußwort beim 60 Jahre Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (06.06.2011)


Grußwort von Ulrike Flach
Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit
Mitglied des Deutschen Bundestages

60 Jahre Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e.V.
anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie e.V. (BPI)
06. Juni 2011, Frankfurt am Main


 
Sehr geehrter Herr Wegener (Vorsitzender BPI),
sehr geehrter Herr Fahrenkamp (Hauptgeschäftsfüh-rer BPI),
sehr geehrte Damen und Herren!

Sie begehen heute Ihre Jubiläumsveranstaltung zum 60. Geburtstag Ihres Pharmaverbandes und damit der Interessensvertretung von rund 260 in Deutschland tätigen und ansässigen, überwiegend mittelständigen Pharma- und Biotechunternehmen, die mehr als 72.000 Ar-beitsplätze bereitstellen. Hierzu übermittele ich Ihnen meine herzlichen Glückwünsche!

Gleich zu Beginn Ihrer Verbandsarbeit schrieben Sie ein Aufgabenspektrum fest, mit dem Sie sich großen Herausforderungen stellten: Arzneibuch, Arzneimittelrecht, Import, Krankenkassenfragen, Rote Liste, Werbungsfragen und Zolltarif, zwei Jahre später ergänzt um homöopathische und biologische Heilmittel.
Aufgaben und Herausforderungen, die auch heute noch, 60 Jahre später, nicht an Aktualität eingebüßt haben.

Sie haben sich darüber hinaus sehr frühzeitig und engagiert mit all Ihrer Kompetenz in Europa eingebracht: Durch Ihre aktive Beteiligung an der Ausgestaltung und Weiterentwicklung der europäischen Richtlinien haben Sie vor manchen anderen erkannt, welche europäische Weichen gestellt werden müssen. Dadurch haben sich naturgemäß Ihre Mitgliedsun-ternehmen in den europäischen Prozess einbringen und positionieren können. Aber auch für die weitere deutsche „Pharmawelt“ war es sicherlich gut zu wissen, dass Sie als starker, verlässlicher Partner die Position der pharma-zeutischen Industrie artikulierten.

In Ihrer 60-jährigen Geschichte haben Sie es stets verstanden, den „Spagat“ zwischen den Interessen Ihrer Mitglieder und den politischen Sachzwängen in konstruktiver Weise zu be-wältigen. Ein Beispiel hierfür sind selbstbeschränkende Maßnahmen wie die freiwillige Einführung einer Packungsbeilage. Zur Erinnerung: Erst nach der freiwilligen Ein-führung durch den BPI wurde durch das Zweite Arzneimittelgesetz diese Packungsbeilage rechtlich verpflichtend.
Neue Herausforderungen    Sie definieren es auch als eines Ihrer Ziele, das Gesundheitssystem mit Blick auf die Zukunft im Dialog so weiterzuentwickeln, dass den Menschen eine leistungsstarke Versorgung dauerhaft zur Verfügung steht. Sie setzen sich ein für eine zweckmäßige, bedarfsgerechte und wirtschaftliche Versorgung der Patienten mit qualitativ hochwertigen Arzneimitteln und Medizinprodukten. Sie verpflichten Ihre Mitglieder dem „Kodex der BPI-Mitglieder“ und zeigen damit, dass ihr Verband diese Herausforderungen ernst nimmt. Dies sind Ziele, die ich uneingeschränkt unterschreibe und unterstütze.

Gesundheitswesen als Kostenfaktor    Die gesundheitspolitischen Debatte der letzten Jahre, wenn nicht Jahrzehnte ist meist geprägt von der Diskussion über die Kosten. Eine solche Betrachtung, die auch ihre Berechtigung hat, darf aber nicht den Blick auf die Chancen einer guten Gesundheitsversorgung und den enormen Stel-lenwert der Gesundheitswirtschaft verstellen.

  Das deutsche Gesundheitswesen sichert eine hochwertige Versorgung für die Bürgerinnen und Bürger. Medizinische Innovationen werden im Vergleich zu anderen Ländern hier besonders schnell Teil der Regelversorgung und sind damit für alle zugänglich, die sie benötigen. Diese inno-vationsfreundliche Versorgung ist nicht nur gut für die Lebensqualität der Menschen, die länger und gesünder leben. Sie ist auch gut für die Wirt-schaft, denn sie trägt zur Produktivität bei und hilft, dass wir länger und bei besserer Gesundheit arbeiten können. Angesichts der absehbaren demografischen Entwicklung ist dies eine sehr wichtige Funktion.

 Die Gesundheitswirtschaft generiert selbst Wachstum und Innovationen: Fast 230.000 Betriebe, Einrichtungen und Unternehmen erwirtschaften über 10 Prozent des BIP in Deutschland. Der Gesundheitsmarkt hat dabei weiterhin ein großes Zukunftspotenzial: Zu erwähnen sind die Entwicklung von High-Tech-Produkten in der Medizintechnik, von innovativen Arzneimitteln, von neuen Behandlungsmethoden und nicht zuletzt von neuen Versorgungsformen. Die Unternehmen der deutschen Gesundheitswirtschaft nehmen Spitzenpositionen auf dem Weltmarkt ein. Ihre Produkte sind weltweit begehrt und geschätzt, weil sie die medizinische Versorgung verbessern und helfen können, langwierige Behandlungen abzuküren und Kosten zu sparen.
Jobmotor    Das Gesundheitswesen ist zudem ein regelrechter Jobmotor. Hier arbeiten derzeit 4,7 Millionen Menschen. Damit ist heute jeder neunte Erwerbstätige in dieser Branche beschäftigt. Die Dynamik dieses Jobmotors zeigt sich in auffallenden Beschäftigungszuwächsen: Allein zwischen den Jahren 1999 und 2009 hat die Zahl der Beschäftigten im Gesundheitswesen um über 600.000 zugenommen – Tendenz: weiter steigend. Damit hat sich das Gesundheitswesen gerade auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten und ungeachtet erfolgreicher Kostendämpfungsmaßnahmen als Beschäfti-gungsmotor erwiesen.

  Neben einer ungebrochenen Nachfrage und ei-nem steigenden Bedarf spielt dabei auch die Fi-nanzierung der Gesundheitsversorgung über kol-lektive Sicherungssysteme einen wesentlichen Beitrag. So werden im Kernbereich der Gesund-heitswirtschaft rund 70 Prozent der Ausgaben von der GKV finanziert. Diese gesicherte Basis schafft gute Rahmenbedingungen für Innovatio-nen und ein bedarfsgerechtes Wachstum der Gesundheitswirtschaft und trägt entscheidend zur Stabilität dieser Branche bei. Wichtiges Ziel aktu-eller und künftiger Politik ist es daher, die guten Rahmenbedingungen des Gesundheitsstandorts Deutschland aufrechtzuerhalten und, wo erforderlich, zu verbessern.
Dabei müssen gleichermaßen Qualität und Wirt-schaftlichkeit der Gesundheitsversorgung im Blick behalten werden. Denn wir dürfen eines nicht vergessen: Innovationen sind – vor allem in der Gesundheitspolitik – kein Selbstzweck. Sie müssen letztlich den Patientinnen und Patienten dienen und dürfen auch die sozialen Sicherungssysteme nicht überfordern.
Zukunftsperspektive    Zur Zukunftsperspektive: Die deutsche Gesund-heitswirtschaft ist eine dynamische Wirtschafts-branche mit hoher Innovationskraft und erhebli-cher ökonomischer Bedeutung für den Standort Deutschland. Umfragen belegen: Die wirtschaftli-che Situation der Unternehmen der Gesundheits-wirtschaft ist im Branchenvergleich sehr gut. Sie haben auch die Wirtschaftskrise vergleichsweise gut überstanden.

Die absehbaren demografischen Veränderungen dürften mit einer wachsenden Nachfrage einher gehen. Erfreulicherweise werden die Menschen in Deutschland immer älter. Gleichzeitig steigt das Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung. Dies wird zu einer zusätzlichen Nachfrage führen. Damit wird klar: die Gesundheitswirtschaft bietet jetzt und gerade für die Zukunft vielfältige Chancen – Chancen für Wachstum und Beschäftigung, Chancen für Innovationen. All dies im Interesse einer besseren Versorgung der Patientinnen und Patienten. Dies eröffnet große Chancen für die Gesundheitswirtschaft, insofern ist die Zukunftsperspektive klar positiv.
Ausblick    Für das vom Bundesverband der pharmazeuti-schen Industrie selbst gesteckte Ziel, das Gesundheitswesen zukunftsweisend weiterzuentwickeln, wünsche ich Ihnen daher gutes Gelingen. Denn wer in der Gesundheitspolitik tätig ist, macht schnell die Erfahrung, dass zwar eine breite Einigkeit über die Ziele besteht. Aber um die Ausgestaltung, insbesondere um die Verteilung der Kosten und der Ertragschancen wird dann doch mit harten Bandagen gerungen.

Aus meiner Sicht wünsche ich mir: Bringen Sie sich weiter aktiv und konstruktiv in die gesund-heitspolitischen Reformdiskussion ein. Setzen Sie sich weiter ein für einen kontinuierlichen Dialog mit den anderen Partnern des Gesundheitswesens und der Öffentlichkeit ein. Auch wir sind bereit dazu. Ich bin überzeugt, dass wir dann die Herausforderungen für das Gesundheitswesen gemeinsam meistern kön-nen.

Ich danke Ihnen.
   



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